War die Ur-Erde lebensfeindlich?
(Januar 2022)
Einige der zentralen Rollen im System Erde spielen das Magnetfeld und die Atmosphäre. Diese sorgen im Wesentlichen dafür, dass die Strahlung aus dem All größtenteils abgeschirmt wird. So schützt z.B. die Ozonschicht in unserer Atmosphäre vor den UV-Strahlen der Sonne. Ohne das vorherige Vorhandensein von molekularem Sauerstoff (O2) wäre es nicht möglich, dass so viel Ozon (O3) auf der Erde da wäre. Jedoch reicherte sich erst vor rund 2,4 Milliarden Jahren durch Cyanobakterien so viel Sauerstoff an, dass es einen festen Bestandteil der Erdatmosphäre bildete, auch wenn es zu diesem Zeitpunkt noch weitaus weniger vertreten war als heute. Dieses Ereignis wird heute als Great Oxidation Event bezeichnet (GOE). Vor rund 600 Millionen folgte ein erneuter Anstieg. Von dieser Zeit an schwankte der Sauerstoffgehalt zwischen 10 und 150 Prozent zum heutigen Wert. Bislang nahmen die Wissenschaftler an, dass der geringe Sauerstoffgehalt von rund einem Prozent, welcher in Folge des GOE eintrat, dazu hätte genügen müssen, um eine ausreichende Ozonschicht bilden zu können. Durch Modelrechnungen wurde nun herausgefunden, dass der damalige Sauerstoffwert in der Atmosphäre nicht für eine eigene Ozonschicht ausreichend war. Vermutlich wurde erst vor rund 400 Millionen Jahren, als die Sauerstoffwerte das Fünf bis Zehnfache des heutigen Niveaus erreichten, eine ausreichende Ozonschicht zum Schutz vor UV-Strahlen gebildet. Zwar hat das in der Vergangenheit die Evolution im Großen nicht beeinträchtigt, jedoch könnte sich eine natürliche Selektion bei Organismen mit niedrigerer Resistenz gegen UV-Strahlung aufgetan haben. Für die Menschheit könnte das in Zukunft spannend bei der Suche nach Exoplaneten werden. Das erst kürzlich ins All geschossene James-Webb-Teleskop könnte durch die Analysen des Sauerstoffgehalts in fremden Atmosphären einen Ausblick auf die Ozonschicht und den daraus resultierenden UV-Schutz bieten.  doi: 10.1098/rsos.211165

Hotspot-Vulkanismus kühler als ursprünglich angenommen?
(Januar 2022)
Isolierte Vulkane auf Hawaii, Island oder auch die in Yellowstone so wie viele andere werden durch große Ansammlungen von geschmolzenem Gestein gespeist, welches überraschend kühl zu sein scheint. Zu diesem Ergebnis kam die Arbeitsgruppe von Xiyuan Bao der University of California in Los Angeles, welche mit seismischen Messungen die Temperatur des Untergrundes unter die Lupe nahmen. Die Erkenntnis ist, dass rund 40 Prozent der Hotspots scheinbar zu kühl sind, um durch ihren Auftrieb aus dem tiefen Erdmantel aufzusteigen. Bei einem Hotspot handelt es sich normalerwiese um eine pilzförmige Magmablase, welche sich durch aufsteigendes Material aus der Tiefe unterhalb der Erdkruste bildet. Die Arbeitsgruppe hat zur Untersuchung dieses Phänomens die Geschwindigkeit seismischer Wellen unterhalb eines solchen Hotspot-Materials im Mantel gemessen. Mit den errechneten Ergebnissen ließ sich auf die Temperatur des Hotspot-Materials schließen. In der Theorie muss das von unten nachdrängende Material mindestens 100 bis 150 Grad Celsius heißer sein, als eine vergleichbare Schmelze im Mittelozeanischen Rücken, um einen schnellen Aufstieg aus der Tiefe zu gewährleisten. Hierbei merken die Forscher an, dass nur rund 45 Prozent der Hotspots diese Bedingung erfüllen. Aufgrund der angenommenen Temperaturdifferenzen könnte die reale Zahl noch niedriger sein. Eine andere Quelle für den Hotspot-Vulkanismus wird nun diskutiert. Der Helium-3-Gehalt dient hierbei als Indikator. Heißere Hotspots haben mehr Helium-3. Das Material hierfür scheint aus tieferen Regionen zu kommen und seit der Entstehung der Erde kaum verändert worden zu sein. Die Heliumzusammensetzung kühlerer Hotspots hat hingegen mehr mit der von Mittelozeanischen-Rücken Gemeinsamkeiten. Die klassische Theorie hinter den Hotspots geht von einem Ursprung an der Kern-Mantel-Grenze aus. Dies würde nach den neusten Erkenntnissen dann nur noch auf die heißeren Strukturen passen. Positiv dafür spricht die Lage von den heißesten Hotspots über Anomalien an der Kern-Mantel-Grenze, von denen sie höchstwahrscheinlich gespeist werden. Kühlere Hotspots könnten Oberflächennäher durch lokale Konvektionen entstehen. Es gibt jedoch noch weitere Erklärungsversuche für kühlere Hotspots. So könnten sie auch aus der Tiefe gekommen sein, jedoch auf dem Weg nach ob hängengeblieben und abgekühlt sein. Die Wissenschaftler rätseln jedoch vor allem noch, wie es sein kann, dass die Temperaturen so ungleich über die Erde verteilt sind. Die meisten der heißen Hotspots befinden sich im Pazifikraum. Kühle sind hingegen meist rund um Afrika anzutreffen. Link: https://www.spektrum.de/news/vulkanische-hotspots-sind-kuehler-als-gedacht/1968352

Erstaunlicher Ichthyosaurus-Fund in Großbritannien!
(Januar 2022)
Neben den bekannten Dinosauriern an Land kamen in der weiten Vergangenheit auch Ur-Wesen im Wasser vor. Diese sogenannten Ichthyosaurier (Fischsaurier) gehörten zwar nicht direkt zur selben Gruppe wie die Dinosaurier, sind jedoch in der Wissenschaft nicht weniger interessant. Vor kurzem nun gelang Paläontologen ein Sensationsfund. Im Rutland Water Nature Reserve in den britischen East Midlands fanden Paläontologen ein Raubtier, welches zu seinen Lebzeiten vor rund 180 Millionen Jahren vermutlich um die zehn Meter lang war. Das geborgene Fossil wird derzeit noch in Shropshire präpariert und untersucht. Anschließend soll es wieder nach Rutland zur Ausstellung zurückkehren. Finder des Ganzen war Joe Davis. Er leitet das Naturschutzteam beim Leicestershire and Rutland Wildlife Trust. Aufmerksam auf das Fossil wurde Davis nach einer routinemäßigen Trockenlegung einer Laguneninsel zur Landschaftsneugestaltung im Februar 2021. Der Fund stellt hierbei das größte und vollständigste Fossil seiner Art, dem Temnodontosaurus trigonodon, dar. Zudem handelt es sich dabei um den ersten Fund dieser Spezies in Großbritannien. Es stellt zudem in den letzten 200 Jahren, in denen innerhalb des Landes Ichthyosaurier-Fossilien freigelegt wurden, das größte Exemplar von allen dar.  Neben dieser Art gibt es noch weitere innerhalb der Ichthyosaurier, welche sogar teils noch um einiges größer und schwerer werden konnten. Interessant ist für die Wissenschaftler aber besonders der Fakt, dass sich die Tiere scheinbar im Zeitraum von nur wenigen Millionen Jahren zu Beginn der Trias, bereits in solche Riesen verwandelt haben. Vermutlich hatte das mit einem Überangebot an Nahrung zu tun. Warum sie lange vor den Dinosauriern ausstarben, bleibt jedoch bislang ungeklärt. Link: https://www.derstandard.at/story/2000132436326/britischer-rekordfund-riesiger-fischsaurier-verbluefft-wissenschafter
Entstehung von Zapfensanden endlich geklärt
Zapfensande kommen teils in Sedimentformationen vor und bestehen aus komprimiertem Sandstein. Sie haben einen verdickten Kopf auf der einen Seite mit einem zulaufenden Schwanz auf der gegenüberliegenden Seite und können von wenigen Dutzend Zentimetern bis einen Meter lang werden. Die ersten Funde dieser merkwürdig gestalteten Gesteine wurden vor rund 200 Jahren, südlich der Schwäbischen Alb, gefunden. Auch aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts sind solche Funde aus Kalifornien bekannt. Die Fundstücke, welche in Massen vorlagen, waren jedoch so begehrt, dass in den 1950ern am kalifornischen Mt. Signal, praktisch alles abgesucht war. Was jedoch für die Entstehung dieser Sedimentstrukturen eine Rolle gespielt hat war bis heute ungewiss. Die Theorien waren weitreichend, von versteinertem Seetang bis zu sandgefüllten Krebsgängen. Nun haben Forscher sich der Sache erneut angenommen und 311 Zapfsande aus der Schwäbischen Alb geologisch und petrografisch untersucht. Interessant dabei ist, dass die Zapfen scheinbar einer Richtung folgen und sich stromlinienförmig um den Rand der Schwäbischen Alb bewegen. Die Zapfensande der Schwäbischen Alb entstanden vor rund 15 Millionen Jahren, zeitgleich zum Nördlinger-Ries Ereignis. Hingegen stammen die Zapfensande aus Kalifornien aus der Nähe der San-Andreas-Verwerfung. Was beide nun gemeinsam haben ist ihre Verbindung zu starken seismischen Aktivitäten. Die Forscher folgen daraus, dass es sich bei den Zapfen um einen Spezialtyp von sandbasierten Seismiten handelt. Erschütterungen und Schockwellen dürften demnach zur Entstehung dieser Sedimentformationen beigetragen haben. Bedingung zur Entstehung sollen demnach laut den Experten eine lose Sandschicht auf teils feuchtem Sediment sein, welches mit einer Magnitude von über 7 in Berührung kam. Sie bilden folglich einen neuen potentiellen Indikator für starke Erdbeben und seismische Ereignisse der Vergangenheit. Dieses wissen kann zudem zukünftig genutzt werden, um Risikogebiete für Erdbeben besser eingrenzen und einschätzen zu können. Quelle doi: 10.1038/s41467-021-27061-6

Standardisierte Nomenklatur für Minerale
Bereits im Jahr 1814 sorgte der Chemiker Jöns Jakob Berzelius für Ordnung in der Welt der Elemente. Anhand seiner Arbeit wurde jedem Element fortan ein Kürzel aus ein bis zwei Buchstaben verliehen. Diese Nomenklatur ist bis heute gültig und bildet die Basis für die Aufstellung von chemischen Formeln. In der Mineralogie herrscht jedoch nicht so ein sortiertes System. Hier entsprechen die Namen der Mineralien nur teilweise oder auch gar nicht den chemischen Verbindungsbezeichnungen. Im Jahr 1983 erstellte der Mineraloge Ralph Kretz eine Liste, um diesem Problem Einhalt zu gebieten. Die 192 häufigsten Mineralien erhielten demnach eine Abkürzung, welche aus zwei bis drei Buchstaben bestand. Im Laufe der Zeit wurden diese sogenannten „Kretz-Symbole“ auf 374 Mineralien erweitert. Nun folgt jedoch das Problem. Zum jetzigen Zeitpunkt sind weltweit 5774 Mineralien bekannt. Da es sich hierbei eher um eine Empfehlung als eine Vorgabe handelt kam es in der Vergangenheit zu einem wahren Wildwuchs der Symbole. So hatten einige Mineralien mehr als ein halbes Dutzend verschiedener Kürzel. Laurence Warr von der Universität Greifswald hat dem ganzen nun ein Ende gesetzt. Eine Liste aller Mineralien und ihrer entsprechenden Abkürzungen wurde von ihm der International Mineralogical Association- Comission on New Minerals, Nomenclature and Classification (IMA-CNMNC) vorgelegt und abgesegnet. Auch alle neu entdeckten Mineralien müssen zukünftig diesem Prozess unterzogen und akzeptiert werden. Die Kürzel folgen nun bestimmten Regeln. So sollen sie unter anderem nicht mehr gleich zu einem Elementkürzel sein. Quelle: doi: 10.1180/mgm.2021.43

Kleiner Theropode mit Schnabel in Brasilien entdeckt
Paläontologen aus Brasilien gelang ein Sensationsfund. Im Grabungszeitraum von 2011 bis 2014 wurde das Fossil während einer Ausgrabung im brasilianischen Bundesstaat Paraná entdeckt. Bei den versteinerten Überresten handelt es sich um einen recht ungewöhnlich Dinosaurier. Man rechnet diese Spezies zu den Theropoden. Bei Theropoden handelt es sich um eine Gruppe innerhalb der Dinosaurier, welche sich auf zwei Beinen fortbewegte und zu einem großen Teil aus fleischfressenden Vertretern bestand. Unter ihnen befanden sich die mit am größten landlebenden Raubtiere. Der wohl berühmteste Vertreter, Tyrannosaurus Rex, sollte den meisten vertraut sein. Das erst im letzten Jahrzehnt gefundene Tier wurde von den Wissenschaftlern auf Berthasaurus leopoldinae getauft. Der Name ist an die 1976 verstorbene brasilianische Wissenschaftlerin Bertha Lutz und die im 19. Jahrhundert lebende brasilianische Kaiserin und Förderin Maria Leopoldina angelehnt. Berthasaurus leopoldinae war nur rund einen Meter lang. Was ihn aber besonders macht ist sein Maul. Im Gegensatz zu den misten anderen Theropoden, welche ein mit scharfen Zähnen bestücktes Maul hatten, besaß Berthasaurus allen Anscheines nach einen Schnabel. Aus seiner außergewöhnlichen Kopfform lässt sich von den Wissenschaftlern ableiten, dass es sich bei dem Tier vermutlich um einen Allesfresser gehandelt haben muss. Die Wahrscheinlichkeit, dass es auch Fleisch gefressen hat kann von den Wissenschaftlern nicht ausgeschlossen werden. Schließlich gibt es auch heutzutage Vögel welche sich trotz ihres Schnabels von Fleisch ernähren. Ob der vor 70 bis 80 Millionen Jahren lebende Theropode jedoch ein Vorgänger der modernen Vögel ist bleibt fraglich. Diese spalteten sich nämlich schon vor rund 150 Millionen Jahren aus den flugunfähigen Theropoden ab. Das Tier stellt in der paläontologischen Geschichte Brasiliens einen der vollständigsten Dinosaurierfunde aus der Kreidezeit dar. Quelle: ttps://www.derstandard.at/story/2000131274387/ungewoehnlicher-mini-dinosaurier-mit-schnabel-entdeck
Die Supervulkane des Mars
Schon seit geraumer Zeit vermuten Geologen auf dem Mars einen neuen Vulkanismus-Typ. Während schon seit längerer Zeit Schildvulkane wie der Olympus Mons erforscht werden, soll nun auch eine andere Art von Vulkanismus auf dem Mars entdeckt worden sein. Hierbei handelt es sich um im Untergrund verborgene Supervulkane. Erste Hinweise darauf gab es in der nördlich gelegenen Region Arabia Terra. Die dort aufzufindenden großen Krater bilden sieben weitestgehend runde Senken, welche einen Durchmesser von bis zu 100 Kilometer haben können. Während am Anfang der Forschung noch daran gedacht wurde, dass es sich hierbei um Einschlagskrater handeln könnte, wiesen immer mehr Details im Laufe der Zeit auf Vulkanismus als Ursprung hin. Vermutlich handelt es sich bei diesem Formationen, um die eingestürzten Calderen von Supervulkanen. Als Anführung für ihre Vermutung nutzen die Wissenschaftler die in der Region vorkommenden Ascheschichten. Diese Schichten sinken in ihrer Mächtigkeit von einem Kilometer, in 250 Kilometer Entfernung vom Vulkan, auf zumindest 100 m in ungefähr 3.400 Kilometern Entfernung. Aus diesen Daten lässt sich ein Auswurf von 7,5 bis 15 Millionen Kubikkilometer Asche und diversem anderen Vulkanmaterial errechnen. Die Ausbrüche fanden wahrscheinlich noch in der jungen Phase des Mars statt. Die geförderte Magma dürfte in der Menge, der des Olympus Mons entsprechen. Um einen Vergleich zu Erde zu ziehen, könnte man die Sibirischen Trapps betrachten, welche aufgrund der Flutbasalt-Eruptionen vor rund 250 Millionen Jahren entstanden sinf. Von diesem Event ist heute noch Vulkanmaterial von 1,7 Millionen Kubikkilometer erhalten. Die freigesetzten Gase, welche durch die vielen Male der Explosionen dieser Vulkane ausgeschleudert wurden, könnten sogar einen entscheidenden Effekt auf das Klima des Mars gehabt haben. Quelle: doi: 10.1029/2021GL094109

Unbekannter gepanzerter Gigant des Kambriums
Paläontologen haben eine neue Art im Burgess-Schiefer, einer weltberühmten Fossillagerstätte, welche sich in den Rocky Mountains von Kanada befindet, erforscht. Es handelt sich bei den zwölf vorhandenen Fossilen um Überreste von Titanokorys gainesi. Dieser Meeresbewohner misst rund einen halben Meter Körperlänge. Er entstammt der Zeit des mittleren Kambrium (ca. 500 Millionen Jahre). Bei dem urzeitlichen Räuber handelt es sich um einen Gliederfüßer, welcher der Ordnung der bereits ausgestorbenen Radionten zugeordnet werden kann. Neben seiner beachtlichen Größe von rund 50 Zentimetern ist auch sein ausgeprägter langer Kopfpanzer ein Augenmerk für die Wissenschaftler. Dieser bedeckte das Tier nämlich zu ca. 75 %. Da er den Radionten zugeordnet wird, hatte wahrscheinlich auch ein rundliches Maul, welches rundum mit Zähnen bestückt war. Zwei Fangarme halfen den Tieren vermutlich dabei ihre Beute zu fangen und schließlich in genau dieses Maul einzuführen. Ähnlich zu den heutigen Gliederfüßern besaß auch Titanokorys gainesi bereits Facettenaugen. Es ist aufgrund seines Auftretens und seiner Körpermerkmale davon auszugehen, dass sein bevorzugtes Habitat der Meeresboden war. Verhältnismäßig zur heutigen Zeit scheint seine Größe zwar eher mäßig auszufallen, jedoch ist das Tier für kambrische Verhältnisse schon ein großes Tier. Nur wenige Tiere, wie die Gattung Anomalocaris, welche derselben Ordnung angehören, konnten mit einer Körperlänge von 60 bis 100 Zentimetern nochmal etwas größer werden. Link: https://www.spektrum.de/news/burgess-schiefer-gepanzerter-gigant-aus-dem-kambrium/1920835
Pyrit „Katzengold“ enthält doch echtes Gold
Das Mineral Pyrit, welches einigen Sammler, Experten aber auch fachfremden Leuten als „Katzengold“ bekannt sein sollte, wurde bereits vor einigen Jahrhunderten von Händlern als echtes Gold verkauft. Zwar wusste zum damaligen Zeitpunkt kaum einer, dass es sich hierbei nicht um echtes Gold handelt, heutzutage lassen sich die Mineralien jedoch aufgrund einfacher Faktoren, wie der Strichfarbe oder auch das stark unterschiedliche Gewicht unterscheiden. Grund für die rege Nachfrage war, dass Gold damals noch mehr als heute, als Prestigeobjekt galt, welches hauptsächlich den Reichen und Adeligen in Form von Schmuck vorbehalten war. Das einzige wirkliche Gold, welches im Pyrit nachgewiesen werden konnte, war neben dem Element Kupfer lediglich in Form von Nano-Partikeln vorhanden. Jedoch fanden Forscher an der australischen Universität Perth erstaunliches. In den untersuchten Pyriten lagen Kristalldefekte vor in denen echtes Gold vorkommt. Zwar ist die vorhandene Menge an Gold immer noch niedrig, allerdings wurde hier eine Mengengrenze überschritten, die die Industrie aufmerksam gemacht hat. Das hier vorhandene Gold ist zwar wenig im Verhältnis zum Pyrit, allerdings ist Pyrit so massenweise vorhanden, dass sich dieser als zukünftige Gold- oder auch evtl. Kupferquelle eignet. Mit einer selektiven Auslaugung, also einer Trennung durch Flüssigkeit, ist eine recht simple Differenzierung der beiden Materialien möglich. Das Katzengold oder auch Narrengold macht seinem Namen somit doch noch alle Ehre. Quelle: Doi: 10.1130/G49028.1
Moorbrände setzen weniger klimaschädliche Gase frei als gedacht
In den nördlichen Breiten kam es in den letzten Jahren aufgrund des fortschreitenden Klimawandels, immer öfter zu Großbränden in Mooren. Im Regelfall geht damit eine große Freisetzung von Kohlenstoffdioxid in die Luft einher. Teile dieser Biomasse lösen sich allerdings nicht in Luft auf, sondern bleiben unter Luftabschluss verkohlt zurück. Forscher der Universität Tübingen haben in Zusammenarbeit mit Kollegen der der Cornell University in den USA neue Entdeckungen gemacht. Sie fanden heraus, dass durch diese verkohlten Torflandschaften langfristig 13 bis 24 Prozent weniger Methan in die Atmosphäre freigelassen wird. Zwar gelten Moore als gute CO2-Speicher, jedoch haben sie genau den gegenteiligen Effekt, bei ihrer Verbrennung. Um dies besser zu untersuchen, haben die Forscher Proben von Moorböden und verkohlter Biomasse erforscht. Hierbei wurden zwei wichtige Erkenntnisse erlangt. Zum einen bindet die verbrannte Biomasse den Kohlenstoff besser, wodurch er nicht so gefährlich ist. Außerdem nimmt die verkohlte Biomasse mehr Elektronen auf, welche die Bakterienpopulation steigen lässt, Oxidationsprozesse anregen und somit die Methanproduzenten zurückdrängen. Allerdings ist diese Nachricht nur bedingt gut. Trotz alle dem setzen Moorbrände weiter viele Treibhausgase wie CO2 frei. Allerdings sollten die hier gewonnen Erkenntnisse für die zukünftigen Klimamodelle berücksichtigt werden. Quelle: https://doi.org/10.1038/s41467-021-24350-y
Gebrauch von Steinwerkzeugen: Schimpansen leben vor der Steinzeit
 Eine Studie des Zoos in der norwegischen Stadt Kristansand und das Chimfunshi Wildlife Orphanage, eine Schutzstation in Sambia, zeigten bereits vor einigen Jahren, dass es Schimpansen nicht möglich sei, spontan scharfkantige Steinwerkzeuge herzustellen oder sie gar zu nutzen, wenn sie ihnen vorgelegt worden sind. Unter der Leitung von Dr. Claudio Teenie, dem Leiter des Projekts STONECULT an der Universität Tübingen, wurde das Experiment von Dr. Elisa Bandini und Dr. Alba Motes-Rodrigo durchgeführt. Das Benutzen selbst erstellter scharfer Werkzeuge ist vom Menschen seit rund 2,6 Millionen Jahren bekannt. Bisher konnten jedoch lediglich Erfolge erzielt werden, wenn die Menschenaffen kultiviert, also vom Menschen aufgezogen und trainiert und man ihnen die Herstellung und Nutzung solcher Werkezeuge nähergebracht hat. In der neuen durchgeführten Studie gab man untrainierten Schimpansen zwei verschiedene verschlossene Behälter. Beide hatten, durch eine Plexiglasscheibe ersichtlich, Futter als Belohnung inne. Als Material wurde den Tieren hierbei ein Steinkern und Hammersteine zur Verfügung gestellt. Trotz dessen, dass die Tiere realisierten, dass es sich um Futter in den Behältnissen handelte, wurde kein Versuch ihrerseits unternommen, Werkzeuge in irgendeiner Form sinnvoll zu nutzen. Die Forscher nehmen an, dass das gewünschte Ergebnis nur dann erfolgt wäre, wenn die Tiere es sich hätten abgucken können. Da sich die Linie der Menschenaffen und Menschen vor rund 7 Millionen Jahren aufgespalten hat, kann daraus geschlussfolgert werden, dass die Schimpansen vom Können her noch vor der Steinzeit stecken und dass sich die notwendigen Fähigkeiten, um solche Werkzeuge bedienen zu können, erst im Laufe der menschlichen Evolution herauskristallisiert haben. Quelle: https://open-research-europe.ec.europa.eu/articles/1-20/v2
Santorin-Vulkan wird durch Meerwasser beruhigt
Die Inseln der griechischen Sanatorin-Gruppe befinden sich rund 120 Kilometer nördlich der Insel Kreta. Dieses Archipel dient vielen Touristen als Urlaubsort. In der Mitte dieser Inselgruppe befindet sich eine Caldera, also eine eingestürzte Magmakammer. Sie gehört zu einem bis heute aktiven Vulkan. Forscher gehen nun davon aus, dass die Ausbrüche des Vulkans in den letzten 360.000 Jahren maßgeblich durch den Meeresspiegel beeinflusst worden sind. Hierzu erforschten Wissenschaftler aus England die aus sedimentären Ablagerungen und historischen Aufzeichnungen hervorgegangenen Vulkanausbrüche und ihren Bezug zu dem in den letzten 360.000 Jahren schwankenden Meeresspiegel. Hierbei konnten 208 der 211 Ausbrüche Phasen zugerechnet werden, in denen ein durch die vergangene Eiszeit ein eher niedriger Meeresspiegele dominierte. Hier lässt sich ein gewisses Bild durch die Forscher erkenne. Die in 4 Kilometern Tiefe liegende Magmakammer scheint, durch die vom Meerwasser herrschende Auflast kontrolliert zu werden. Sinkt der Meeresspiegle ab und der Druck auf die Kammer lässt nach, können sich Risse bilden, welche das Magma nach oben an die Erdoberfläche treiben. Ein 40 Meter niedrigerer Meeresspiegel würde laut neuesten Berechnungen bereits die Anzahl der Vulkanausbrüche fördern. Während der Eiszeit sank der Wasserspeigel des Mittelmeeres zeitweise um 110 Meter ab. Dies korrelierte mit einem besonderes starken Ausbruchverhalten. Auch wenn der Klimawandel eher einen Meeresspiegelanstieg fördert, lassen sich gewaltige und stark explosive Ausbrüche in Zukunft wahrscheinlich trotzdem nicht verhindern. Obwohl dem Vulkan bereits seit 10 Jahren eine neuer Ausbruch nachgesagt wird, ist bis heute zum Glück noch nichts geschehen. Da sich 57% der Vulkane in Meeren oder an küstennahen Gebieten befinden, kann diese Erkenntnis für zukünftige Ereignisse genutzt werden.
Link:https://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Meerwasser_zaehmt_Santorin_Vulkan1771015590901.html Doi: https://doi.org/10.1038/s41561-021-00783-4
Neues Grundwasservorkommen unter dem Meeresboden vor Malta entdeckt
Grundwasservorkommen halten sich in einigen Regionen der Erde aufgrund von z.B. geringen Niederschlagsmengen in Grenzen. Daher wird immer nach neuen Quellen gesucht. Bereits seit einiger Zeit sind submarine Grundwasservorkommen, wie die von der Ostküste der USA, bekannt. Nun wurde von einem Forschungsteam vor der Küste Maltas ein neues submarines Süßwasservorkommen entdeckt. Anomale Leitfähigkeitswerte in 100 bis 200 Meter unterhalb des Meeresgrundes weisen auf eine Kalksteinschicht hin. Diese Schicht besitzt eine Mächtigkeit von mehr als 60 Metern und hat in ihren Poren, entgegen der ersten Annahmen, kein Salzwasser, sondern Brack- oder Süßwasser gespeichert. Da keine direkte Verbindung zwischen dem Grundwasser von Malta und dem in der Kalksteinschicht befindlichen Wasser hergestellt werden konnte, wurde eine andere Theorie zur Entstehung hergeleitet. Wahrscheinlich sammelte sich das Wasser durch Regenergüsse im Gestein. Vor rund 20.000 Jahren befand sich die Gesteinsschicht nämlich noch über dem Meeresspeigel. Dieser war zum damaligen Zeitpunkt aufgrund der vorherrschenden Eiszeit deutlich tiefer als heute. Solche Quellen werden als zukünftige Wasserressource diskutiert. Im Fall von Malta, würde sich laut Expertenmeinung eine Abtragung sogar in gewisser Weise lohnen, auch wenn diese Art des Wasserentzugs nicht nachhaltig wäre. Link: https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/geologie/grundwasservorkommen-vor-malta-unter-dem-meeresboden-entdeckt-13375265 Doi: 10.1029/2020GL091909

Verzierte Knochen von Neandertalern aus dem Harz sind mehr als 50.000 Jahre alt
Seit den ersten fossilen Überresten der Neandertalers, welche Anfang des 19. Jahrhunderts gefunden wurden, nahmen Wissenschaftler an, dass es sich schlicht um primitive Vormenschen handele. Neue Funde aus dem Harz steuern dieser Aussage jedoch entgegen. Während die Herstellung effektiver Waffen und Werkzeuge schon lange beim Neandertaler bekannt sind, wurde ihnen andere geistige Fähigkeiten weitestgehend abgesprochen. Im Jahr 2019 jedoch, gelang es Forschern eine Kulturschicht im Eingangsbereich der im Harz befindlichen Einhornhöhle zu finden. Bei dem Sensationsfund dieser Bergung handelt es sich um einen Fußknochen. Dieser Knochen gehörte einst zu einem Riesenhirsch (Megaloceros giganteus). Dies allein ist jedoch nicht das Besondere. Einzigartig ist das aus sechs Kerben bestehende, winkelartige Muster, welches auf dem Knochen eingeritzt wurde. Vermutlich wurde sich für ein solches Tier entschieden, da es aufgrund seiner riesigen Geweihschaufel sehr eindrucksvoll wirkt. Forscher machten sich die Mühe anhand von Rinderknochen nachzustellen, welchen Arbeitsaufwand für ein solches ”Kunstwerk” nötig war. Der Knochen musste scheinbar zuerst einmal gekocht und anschließend rund 1,5 Stunden bearbeitet werden. Mit Hilfe der Radiokarbonmethode konnten die Knochen auf über 51.000 Jahre datiert werden. Die ist somit das erste von Neandertalern verzierte Objekt, welches verlässlich datiert werden konnte. Die einzigen Funde aus dieser Richtung stammen aus Frankreich und sind auf ca. 4000 Jahre datiert. Hierbei handelt es sich jedoch wahrscheinlich um Nachahmungen des Neandertalers vom modernen Menschen. Dieser Fund jedoch zeigt, dass der Neandertaler, scheinbar früher als der Homo sapiens im Verbreitungsraum von Europe, in der Lage war kreativ zu denken. Die Funde der Einhornhöhle stellen aufgrund ihres Erhaltungszustandes generell ein gutes Klima- und Umweltarchiv da. Link: https://www.myscience.de/news/2021/neandertaler_im_harz_verzierte_knochen_bereits_vor_mehr_als_50_000_jahren-2021-FUB